(22.03.2018)HeavyMetalNeverDies! schrieb: Also als ich das letzte mal im Krankenhaus war, das war eigentlich recht nett. Dort stehen coole Maschinen und so rum. War wie so ein Erlebnisaufenthalt.
Das Personal war auch recht nett. Nur einen Grießgram gab es, der verhielt sich nicht nur wie Dr. House sondern sah auch genau so aus.
Die Realität, wenn Krankenhausaufenthalte den Aspekt eines kurzweiligen Entspannungsurlaubs aufgrund ihrer quartalgetakteten Wiederholung verloren haben:
6 Uhr morgens. Die alte faltige Frau weckt mich mit einer Nadel im Arm. Ehe die Augen offen sind, steckt das Fieberthermometer schon im Ohr (Ohr! Nicht woanders!), die Blutdruckmanschette versucht meinen Arm durch bloßen Druck zu amputieren. Die seltsam riechende Mitpatientin, für die seit 2 Wochen kein Besuch mehr kam und die sich zu schwach fühlt, um sich regelmäßig zu waschen und zu bitchig ist, um sich waschen zu lassen, grunzt, steht dann doch auf und zieht erstmal die Vorhänge offen.
Essen kommt erst um 7. Noch ne Stunde schlafen. Aber nein, die Olle rödelt schon wild durch das eigentlich undurchrödelbare Zimmer (Das geht nämlich) und kommt dabei alle zwei Minuten mit ihrer ach so kaputten Hüfte gegen mein Bett.
Frühstück: Tee.
Untersuchungstermin. Man könnte durchrufen, wenn ich kommen kann, immerhin bin ich nur ne Station drüber, aber nein. Macht doch mehr Spaß, wenn man samt Bett schutzlos den Blicken neugieriger Besucher auf den Flur gestellt wird, um dort geschlagene 90 Minuten zu warten.
Habe das Mittagessen verpasst. Die Dame von der Küche hats verpennt und es schon wieder weggebracht. Lohnt sich auch eigentlich nicht, dahinter her zu laufen.
Arzttermin. Heute ohne Cheffe und Oberarzt, beläuft sich auf ein "Alles gut?" und die täglich wiederkehrende Diskussion, wann ich denn gehen darf.
X Stunden Zeit totschlagen mit Schlafen und Serien schauen. Heute kein Besuch. Die doofe Alte dagegen schon. Ihr Mann ist schwerhörig, entsprechend sind die Gespräche.
Abendessen. Jap, Tee. Danach Zeit totschlagen.
Abends 9 Uhr. Die Klinikfeuerwehr steht bei uns im Zimmer, weil Prinzessin Demenzia aus unerfindlichen Gründen ihren Heizlockenstab angekabelt, eingeschaltet und dann in ihren Schrank gelegt hat. Auf ein billiges Brigittemagazin, dass allmählich das Schmoren begann und einen unortbaren Rauchgeruch entwickelte. Ganze Station in Aufruhe, junge russische Nachtschwester sehr böse auf alle beteiligten. Dabei besitze ich nicht einmal einen Heizlockenstab.
Schlafen. Gezwungenermaßen. Die Langeweile treibts rein, könnte man sagen. Aufgrund von Schnarchender alten Dame nur mit Kopfhörern möglich.
2 Uhr Nachts dann plötzliche Hektik. Durch die Kopfhörer erst was mitbekommen, als der größte Stress schon vorbei war. Zurück blieben Blut und Urinspuren quer über den Fußboden.
Madame hat sich alles aus dem Körper gerissen, was so verkabelt war. Katheter, Zugänge, Kabelage, von der ich nicht wissen wollte, wo die vorher hinführte. Licht an - Man muss wischen. Es stinkt und sieht aus wie in einem Budgetsplatterfilm, der sich nur eine Flasche Ketchup leisten konnte, diese dafür aber umso großzügiger verteilen wollte.
Halb 3. Endlich Ruhe. Kopfhörer nicht notwendig, wer weiß wo die komische Alte gelandet ist. Hauptsache weg.
So passiert letztes Jahr. Muss ich nicht wieder haben. Ist ein Mahnmal für die kommenden Male und weshalb ich mich mit Händen und Füßen dagegen wehre, sofern es anders möglich ist.
Deswegen: Krankenhaus nervt. Sehr. Übermäßig.
Dieser Beitrag wurde gesponsert von der KrankenhäusersindInstitutionendesTeufels (kurz: KHIT) AG